Schriftliche Abiturprüfungen bestanden

„[…] damit haben Sie den schriftlichen Teil der Nichtschülerprüfung bestanden [..]“

Drei geschlagene Jahre habe ich auf diesen Satz gewartet. Auch, wenn die mündlichen Abiturprüfungen noch anstehen, habe ich die größte Hürde genommen und eine riesige Last ist von mir gefallen.

Prost!

Als der Brief heute (endlich!) im Briefkasten lag, traute ich mich selber gar nicht, ihn zu öffnen, da ich mir zu 99,99% sicher war, dass ich die Mathe-Prüfung nicht bestanden habe. Ich habe ja erzählt, dass ich die Prüfung nachschreiben musste. In Analysis hatte ich auf eine Kurvendiskussion gehofft, die in den vergangenen Jahren eigentlich immer drankam, aber dieses Jahr nicht. In Geometrie habe ich die Aufgabenstellungen nicht wirklich verstanden. Und in Stochastik, was ich zuletzt echt beherrschte, ist mir im Nachhinein eingefallen, dass ich die Roulette-Regeln falsch verstanden habe und deswegen meine Rechnung falsch sein musste. (An dieser Stelle herzlichen Dank ans Hessische Kultusministerium. Wie war das, man lernt für´s Leben ..?)

Wie auch immer, hier meine Ergebnisse:

LK Englisch: 14 Punkte                                                                                    LK Deutsch: 10 Punkte
GK Politik und Wirtschaft: 11 Punkte                                               
GK Mathe: 3 Punkte

Hätte ich eine anständige Mathe-Aufgabe bekommen, könnte ich mir meinen Studientraum vielleicht noch verwirklichen. So werde ich wohl noch ein bis zwei Jahre auf einen Studienplatz warten müssen.                                                                                                           Aber ich will mich nicht beschweren. Ich habe den schriftlichen Teil des Fernabiturs geschafft, und vor allem über die Englisch-Note habe ich mich sehr, sehr gefreut. Das hätte ich niemals für möglich gehalten. Auch Politik hat mich positiv überrascht!

Ich gratuliere auch hier noch mal allen, die den schriftlichen Teil des Abiturs bestanden haben. Diejenigen, bei denen es nicht gereicht hat, haben jetzt nochmals die Chance, in der mündlichen Nachprüfung alles zu geben. Ich drücke ganz feste die Daumen!

 
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Erste Prüfungen geschafft!

Meine vorerst letzte Prüfung liegt nun schon eine Woche zurück, und ich denke es ist Zeit für eine kleine Zusammenfassung.
Auch wenn mir die Matheprüfung noch im Nacken sitzt – dank Knochenentzündung im Ohr und massiven Gleichgewichtsstörungen, perfektes Timing also – bin ich erstmal erleichtert, einen Großteil der Prüfungen hinter mir zu haben.
Momentan lerne ich sehr viel für die mündlichen Fächer – also Französisch, Erdkunde, Bio und Reli – und wiederhole Mathe, um die Vergessenskurve so flach wie möglich zu halten.
Auch wenn schon umfassend über die Prüfungen berichtet wurde, hier ist meine ganz subjektive Sicht zu den Dingen.
 
Englisch Leistungskurs
Die erste Prüfung – ich war SO aufgeregt!
Ich habe es diesmal so gehalten, dass ich an jedem Prüfungstag nach Pfungstadt und wieder zurück gefahren bin, da ich dachte, es wäre entspannter, zwischen den Prüfungen zu Hause zu sein – denkste! Um 3 Uhr morgens einschlafen und um halb 5 wieder aufstehen, weil man Angst vor Staus, Schnee, Glätte und sonstigen spontanen Zwischenfällen hat, ist nicht wirklich „entspannend“! Dazu wächst und wächst die Nervösität, wenn man vor der Prüfung 2 1/2 Stunden im Auto sitzt, enorm.
Die Prüfung an sich war dann jedoch relativ locker. Der spannendste Moment seit Beginn des Fernabis ist für mich eindeutig folgender: Ich sitze an meinem Platz, der Lehrer teil uns ein paar Infos mit, die wir sowieso schon wissen, und dann geht er durch die Reihen und teilt die Prüfungsvorschläge aus. Und ich schau nach und sehe ENDLICH, wofür ich die letzten 3 Jahre gelernt habe. Ob es sich gelohnt hat. Oder ich Pech habe.
Und ich hatte Glück. Englisch war meiner Meinung nach wirklich umsetzbar, wenn man nach der Themenliste des Kultusministeriums gelernt hat. Dass Immigration oder American Dream jedes Jahr dran kommt, weiß jeder, der sich die alten Prüfungen mal durchgelesen hat. Dass man dann noch das „Country of Reference“ mit großer Wahrscheinlichkeit einbinden kann, ist eigentlich auch klar. Und genau so kam es dann auch.
Ich habe mich für den Vorschlag zu Immigration entschieden. Hier musste man einen Text über Assimilation und Multiculturalism zusammenfassen, einen Brief zum Thema schreiben und den Multikulturalismus in Great Britain mit dem in Canada oder den USA vergleichen. Hier konnte man auch gelesene Lektüren gut einbauen – ich habe mich auf Tortilla Curtain und die Situation der Hispanics in den USA bezogen.
Wir hatten insgesamt (mit Einlesezeit) 6 Stunden Zeit, die aber wie im Flug vergingen. Da ich vor der Reinschrift immer eine Info-Sammlung und eine Glieferung angelegt habe, hat die Zeit für mich gerade so gereicht, eine Stunde mehr wäre also auch nicht schlimm gewesen 😉
 
Deutsch Leistungskurs
Deutsch war für mich DIE Überraschung unter den Prüfungen (aber wer weiß, was mich noch erwartet?).
Ich hatte mit einer Personencharakterisierung, einer Stellungnahme zu Frauenbildern der Autoren oder zu den Beziehungen zwischen den Figuren gerechnet. Oder etwas zum Thema Genie oder Sprache, da das so gut zu den Pflichtlektüren gepasst hätte.
Aber dann gab es Vergleiche zu Figuren aus Nicht-Pflichtlektüren, eine Kurzgeschichte, die ebenfalls nicht bekannt war und eine Totenrede anlässlich des Todes von Christa Wolf.
Da ich auf den ersten Blick mit nichts von alledem etwas anfangen konnte, habe ich mich für Letzteres entschieden, da man die Aufgaben wenigstens analytisch angehen konnte.
Zusammenfassen. Kein Problem. Redeanalyse … hatte ich zwar seit einem Jahr nicht mehr gemacht, aber irgendwas musste da ja hängen geblieben sein. Von wegen Absicht, Stilmittel und so. Check.
Dann eine Charakterisierung der Autorin, wie der Redner sie darstellt. Ein bisschen markieren und das Ganze schön verpacken. Läuft. Und zum Schluss ein Vergleich zwischen Autorin und Medea. Okay, JETZT darf ich auch mal was von dem anwenden, was ich gelernt habe, vielen Dank.
Insgesamt lief es zwar gut, soweit ich das einschätzen kann, aber etwas enttäuscht war ich hier schon. Seit Monaten lese ich unzählige Lektürehilfen, schreibe Mindmaps zu den Themen, die mit den Lektüren verbunden sind – und dann sowas. Da hätte es auch gereicht, das Buch zu lesen und ein bisschen Redeanalyse zu üben.
Aber leider weiß man vorher nie, was einen erwartet. Das hat mir nur gezeigt, dass es nichts bringt, sich verrückt zu machen. Es ist wichtig, dass man zu jedem Thema etwas sagen kann, ein Verständnis für die Zusammenhänge entwickelt und sich vielleicht auf ein, zwei Sachen spezialisiert – denn wenn man Glück hat, kommt genau das dran. Wenn nicht, hat man sich wenigstens nicht verrückt gemacht 😉
 
Politik Grundkurs
Politik war für mich immer sehr „schwammig“. Hier habe ich jedoch das oben genannte Prinzip erfolgreich umgesetzt.
Ich habe versucht, zu jedem Thema etwas zu wissen, die Zusammenhänge zu verstehen, sodass ich zu jedem Bereich etwas sagen könnte.
Und auf zwei Bereiche habe ich mich intensiv vorbereitet: Entwicklungspolitik und Wirtschaft. Ersteres, weil es interessant ist und zweiteres, weil es logisch ist. So einfach.
Ich wusste genau, dass es sein könnte, dass keiner der beiden Bereiche dran kommt, und falls doch, dann eventuell zusammen mit anderen Themen, die ich wieder nicht beherrsche. Aber: NO RISK NO FUN.
Und in diesem Falle hatte ich wirklich Glück: Denn Vorschlag B war: Wirtschaft. Nicht so toll wie Entwicklung, aber wer will da noch meckern?
Auch hier wieder Textzusammenfassung, dann Zuordnung zu einer wirtschaftspolitischen Orientierung, weitere Aspekte von dieser nennen, und diskutieren, ob der Staat sich in die Wirtschaft einmischen sollte.
Natürlich wusste ich nicht alles, man hätte noch mehr schreiben können, kann man doch irgendwie immer.
Aber ich konnte alles bearbeiten, habe ein ganz gutes Gefühl, und das ist erstmal das Wichtigste.
 
Okay, das wurde jetzt etwas lang. Wer bis hierhin gelesen hat: Danke 😉
Da man im Nachhinein oft eine klarere Sicht darüber hat, worauf es ankommt und was man hätte besser machen können, werde ich das demnächst nochmal aufgreifen für diejenigen, denen diese nervenaufreibende, aber irgendwie auch tolle Zeit noch bevor steht. Eins kann ich euch aber schon sagen: Macht euch nicht verrückt. Ehrlich.